Freitag, 9. März 2018

Automobilbranche 2018 - Sailing Ship Effect 2.0

Automobilbranche 2018 - Sailing Ship Effect 2.0

Als im 19. Jahrhundert die Dampfschifffahrt aufkam und sich ein Technologiewandel abzeichnete, versuchte die Branche der Segelschiffbauer mit allen Mitteln die Effizienz ihrer Segelschiffe zu verbessern. Die Konsequenz dieses Handelns hatte verlorene Jahrzehnte zur Folge. Der Technologiewandel setzte sich durch.

Mit dem Beginn des 21. Jahrhunderts stand eine ganze Branche vor einem wahren Paradigmenwechsel. Das Ende der fossilen Antriebstechnologien wurde eingeläutet.
Die ersten zarten Pflänzchen einer zukünftigen CO2 - neutralen Multimobilität waren zu sehen. Toyota stellte einige Jahre zuvor mit dem Prius ein alltagstaugliches
Hybrid - Fahrzeug vor.
Die BRD war mit ihren „Big Five“ der Automobilindustrie Taktgeber,
Bench Mark und ein weltweites Erfolgsmodell mit größter Strahlwirkung.
800.000 Mitarbeiter in der deutschen Automobilindustrie und Millionen Arbeitnehmer in der weiteren Wertschöpfungskette festigten die Bedeutung einer Schlüsselbranche.

Machen wir nun den Sprung ins Jahr 2018.
Über 130 Jahre Automobilbauerfahrung verlieren durch den Technologiewandel zusehends an Bedeutung. „Start Ups“ produzieren E-Transporter, ein visionärer Tausendsassa zeigt der etablierten Automobilindustrie, wie man innerhalb weniger Jahre eine Marke größter technologischer Trendwirkung kreiert.
China hat die Elektromobilität zur Parteientscheidung gemacht.
Die CO2 - neutrale Multimobilität wird unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft in großem Maße verändern.

Die deutsche Automobilindustrie hingegen hat in den zurückliegenden 20 Jahren ihre Ingenieurs- und Innovationskraft auf die Optimierung der fossilen Antriebe konzentriert. Emissionsgrenzwerte konnten schwerlich erreicht werden, also hat man „manipuliert“. Dieser „Eingriffe“ wurden dann dummerweise durch ein amerikanisches Institut aufgedeckt .

Jetzt kam wieder einmal die Stunde der Lobbyisten. Nach einem 1. und 2. sogenannten Dieselgipfel verkündete die Bundesregierung mit sogenannten Software-Lösungen einen bahnbrechenden Erfolg. Max. 30% Reduzierung der Stickoxid-Emissionen sind damit unter optimalen Bedingungen möglich.
Dass diese Ergebnisse nicht reichen würden, um Fahrverbote zu verhindern, musste jedem Beteiligten klar sein. Eine aufwendigere Hardware-Lösung macht hingegen ca. 75% Reduzierungen möglich. Die Industrie jedoch weigert sich, die Kosten von ca. 1.500 Euro/Fahrzeug zu tragen.
Vor dem Hintergrund der gesundheitlichen Schädigungen sowie massiver wirtschaftlicher Konsequenzen, stellt sich die Frage - sollte man der Industrie seitens der Bundesregierung eine Wahl lassen?!

Ca. 6 Mio. Euro 5-Dieselkunden werden zur Zeit kalt enteignet. Bis zu 30% Wertverlust verzeichnet der Gebrauchtwagenmarkt - ganz zu schweigen von gigantischen
Summen, die der Handel zu tragen hat für garantierte Restwerte bei
Kilometer-Leasingverträgen.

Die Bundesregierung weist auf die arbeitsmarktpolitische Verantwortung dieser Schlüsselbranche hin. 800.000 Arbeitnehmer in der Industrie und Millionen Mitarbeiter in Zulieferbetrieben, Handel, Werkstätten und Dienstleisterbetrieben stellen eine große Verantwortung dar. Als allerletztes Killerargument werden wir uns wahrscheinlich auf altbekannte Aussagen, wie  „alternativlos, oder systemrelevant““ einstellen müssen.

Nur in diesem Fall darf es kein „to big to fail“ – Argument geben! Hier geht es um Gerechtigkeit, Vertrauen in die Volksvertreter, Vertrauen in die Industrie und schlussendlich um klare Signale und Entscheidungen, den Technologiewandel durch Kreativität und Entschlossenheit aktiv zu gestalten.

Zur Zeit entstehen weltweit Automobilbauer, die sich ausschließlich auf
CO2 - neutrale Antriebe konzentrieren. Regierungen schaffen rechtliche Rahmenbedingungen, neue Mobilitätssysteme und –vernetzungen kreieren die Infrastruktur des neuen Jahrtausends. China wird auf dem Weg zur bedeutendsten Volkswirtschaft der Welt Taktgeber der CO2 – neutralen Mobilität.

Markt- und Markenführerschaften werden in den kommenden Jahren neu vergeben.

Die aktuellen Umsatzzahlen der deutschen Autobauer präsentieren sich auf Rekordniveau. Ich warne sehr vor einer wahren
„Erfolg hat immer Recht – Betrunkenheit“.
Ich bin jedoch der festen Überzeugung, dass die deutsche Automobilindustrie stärker aus dieser Krise herausgehen kann, als sie hineingegangen ist.

Liebe Automobilindustrie, nutzt diese Krise, Vertrauen zurückzugewinnen und stoßt jetzt konsequent Prozesse und Projekte an, die auch zukünftig die deutsche Technologieführerschaft in der Automobilbranche festigen werden.

Liebe Bundesregierung, der Technologiewandel der Mobilität mit dem „Turbo“ Digitalisierung muss zur absoluten Chefsache gemacht werden.
Entscheidet visionär, fördert und fordert Kreativität, und tappt nicht in die Falle des  „Erfolgsfensters Legislaturperiode“.
Staatlicher Protektionismus überholter Technologien ist mittel- und langfristig
der größte Jobkiller!

Rolf Cosse                                                                                                            
Deutsches Institut Automobiles Kulturgut
Ruhenhof 15
48565 Steinfurt

Tel.: 0049 (0) 176 96702554

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